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In Memoriam



Hans-August Lücker


Hans August Lücker
Krümmel, 21.2.1915 - Bonn, 28.12.2007
Vizepräsident des Europäischen Parlaments a.D.




Hans August Lücker war ein großer Europäer und ein europäischer Demokrat, den wir als engagierten Kämpfer für die europäische Einigung in Erinnerung behalten. Er war ein politischer Wegbereiter für die Europäische Union von heute und insbesondere für ein Europäisches Parlament, das politisches Gewicht hat und die Zukunft der Europäischen Union entscheidend mitgestaltet.

Er gehörte dem Europäischen Parlament 26 Jahre – von 1958 bis 1984 - an und war dessen Vizepräsident von 1976 bis 1979. Von 1970 bis 1975 war Hans August Lücker Vorsitzender der Christlich-demokratischen Fraktion. Er hat in dieser Zeit entscheidend an der Vorbereitung der ersten Direktwahl des Europäischen Parlaments im Jahr 1979 mitgewirkt, dem großen Meilenstein in der Entwicklung von Demokratie und Parlamentarismus in Europa.

Hans August Lücker war ein Europaparlamentarier der ersten Stunde und ein Wegbereiter der Demokratie in der Europäischen Gemeinschaft, die heute zur Europäischen Union geworden ist.

Wir gedenken seiner mit größtem Respekt und in tiefer Dankbarkeit.


Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering
Präsident des Europäischen Parlaments



Hans August Lücker wurde am 21. Februar 1915 in Krümmel unweit von Montabaur geboren. Aufgewachsen in einer katholischen Bauernfamilie besuchte er das humanistische Gymnasium. Nach dem Abitur 1934 begann er ein Universitätsstudium, wurde aber aufgrund seiner Weigerung, sich der Hitlerjugend oder einer anderen NS-Organisation anzuschliessen, vom Studium ausgeschlossen. Im Oktober 1939 wurde er zum Kriegsdienst einberufen.

Nach dem Krieg begann Lücker eine steile berufliche Karriere als Direktor der Bayerischen Landwirtschaftskammern. Er wurde Agrarexperte im "Arbeitskreis für den Wiederaufbau des Landes" von Johannes Semmler und Ludwig Erhard, wo ihm die Ausarbeitung eines Vorschlages für die Verwendung der Mittel des Marshall-Planes für den Landwirtschaftssektor übertragen.

1953 wurde er das erste Mal für die CSU in den Bundestag gewählt, wo er den Wahlkreis Unterallgäu und Ostallgäu bis 1980 vertrat. Von Anfang seiner Bonner Karriere war Lücker Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, die später im Europäischen Parlament aufging. 1969 übernahm Lücker sechs Jahre lang die Führung der christlich-demokratischen Fraktion und wurde 1972 beauftragt, einen Entwurf für eine politische Union auszuarbeiten. Dieser wurde noch im gleichen Jahr vom Europäischen Parlament angenommen und der Gipfelkonferenz zugestellt.

Vor den ersten Direktwahlen zum Europaparlament war Lücker maßgeblich an der Erarbeitung des parteipolitischen Grundprogramms und an der Namensgebung "Europäische Volkspartei" beteiligt. Nachdem er schon beim Erweiterungsprozess um England, Irland und Dänemark mitwirkte, spielte Lücker auch bei der Entwicklung der Beziehungen zu Lateinamerika, bei der Süderweiterung der EWG und dem Beitritt Griechenlands eine wichtige Rolle.

1985 schied er im Alter von 70 Jahren aus dem Europäischen Parlament aus und zog sich aus der aktiven Politik zurück. Dennoch ist er weiterhin als Ratgeber in Sachen Europa sehr gefragt. Hans-August Lücker wurde unter anderem mit dem "Grosskreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband" ausgezeichnet. 1986 erhielt er die Robert-Schuman-Medaille der EVP-Fraktion im Europäischen
Parlament für seine Verdienste um die europäische Integration.

Pressemitteilung von Joseph Daul MdEP, Vorsitzender der EVP-ED-Fraktion im Europäischen Parlament deenfr

Hans August Lücker, on the occasion of his 90th birthday (2. März 2005)



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