40 Jahre
Christdemokraten im Europäischen Parlament
(Fraktion der Europäischen Volkspartei)
März 1958 - März 1998
Chronologie
EINLEITUNG
Am 1. Januar 1958 traten die beiden Verträge von Rom zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) bzw. der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) in Kraft.
Diese Verträge bedeuteten einen Wendepunkt in der Geschichte der damaligen Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Von da an sollte die Gemeinsame Versammlung allen drei Gemeinschaften dienen. Die von 78 auf 142 gestiegene Anzahl ihrer Mitglieder verteilte sich auf die 6 Mitgliedstaaten wie folgt:
| Belgien | 14 |
Frankreich | 36 |
Italien | 36 |
Luxemburg | 6 |
Niederlande | 14 |
Deutschland | 36 |
In bezug auf die Befugnisse der Gemeinsamen Versammlung sahen die neuen Verträge eine geringfügige, aber dennoch sehr bedeutsame Änderung vor: Während sie im EGKS-Vertrag als "Kontrollbefugnisse" bezeichnet wurden, machte der Artikel 137 des EWG-Vertrags daraus ab 1958 "Beratungs- und Kontrollbefugnisse", und aus diesem einen Wort "Beratung" sind die so umfangreichen Befugnisse hervorgegangen, über die das Parlament heute bei der Ausarbeitung von Rechtsvorschriften verfügt.
Bis zu den ersten Europawahlen vom Juni 1979 wurden die Mitglieder von und in den nationalen Parlamenten entsprechend dem Gewicht der dort vertretenen nationalen Parteien benannt. Gleichwohl saßen die Abgeordneten nicht in nationalen Delegationen, sondern in Fraktionen, auch wenn es in den ersten Jahren nur drei gab: Die Christdemokraten (als stärkste Fraktion), die Sozialisten und die Liberalen. Ein deutscher Christdemokrat, Hans Furler, war von 1956 bis 1958 Präsident der Gemeinsamen Versammlung der EGKS. Die neue Versammlung der drei Gemeinschaften trat erstmals im März 1958 in Straßburg zusammen. Im Februar hatte die bisherige Gemeinsame Versammlung eine "Follow-up-Debatte" auf der Grundlage eines Berichts von Pierre Wigny, Vorsitzender der Christlich-demokratischen Fraktion (und späterer belgischer Außenminister), abgehalten. In dem Bericht wurde geprüft, wie die Gemeinsame Versammlung seit ihrer ersten Tagung im September 1952 von ihren Befugnissen Gebrauch gemacht hatte. Ferner wurde darin der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die neue Gemeinsame Versammlung eine Schlüsselrolle in dem neuen ambitionierteren Europa, das sich auf drei Gemeinschaften gründete, spielen werde. Wie es der Italiener Eduardo Martino, der Sprecher der Christdemokraten in dieser Debatte, ausdrückte, sollte die wesentliche Aufgabe darin bestehen, Europa als politische, geographische, wirtschaftliche und militärische Einheit aufzubauen.
An dieser Vision halten die Christdemokraten seit nunmehr 40 Jahren fest.
1958
19. März
Tagung der Gemeinsamen Versammlung der drei Europäischen Gemeinschaften. Mit 67 von 142 Mitgliedern sind die Christdemokraten mit Abstand die stärkste Fraktion.
19. März
Der christdemokratische Kandidat Robert Schuman wird mit Unterstützung der drei Fraktionen zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt. Er war vorher französischer Finanzminister, Außenminister und Premierminister. Aus seinem Projekt der Zusammenlegung und gemeinsamen Organisation der französischen und deutschen Steinkohlevorkommen (der am 9. Mai 1950 verkündete "Schuman-Plan") ging die EGKS hervor, der Prototyp der Europäischen Gemeinschaften.
Auf ihrer ersten Tagung gibt die Gemeinsame Versammlung sich den Namen "Europäisches Parlament".
6. Oktober
Wahl von Alain Poher zum Vorsitzenden der Christlich-demokratischen Fraktion. Bei seinem Amtsantritt erklärt er: "In der institutionellen Ordnung ist es Aufgabe des Parlaments, der Stimme der Bürger Gehör zu verschaffen, deren Unterstützung für unsere Arbeit immer notwendiger wird. Die europäische Öffentlichkeit muß den Regierungen und Exekutiven zu der Einsicht verhelfen, daß die Europa-Idee lebendige Wirklichkeit und für unser aller Wohlergehen und die Erhaltung des Friedens unverzichtbar ist."
Alain Poher, der später Präsident des französischen Senats war, übt sein Amt acht Jahre lang aus. Im März 1966 wird er zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt.
1960
17. Mai
Das Europäische Parlament billigt den ersten Entwurf eines Übereinkommens über direkte Wahlen.
1961
Gründung des Weltbunds Christlicher Demokraten in Santiago de Chile.
9. Juli
Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens EWG/Griechenland.
31. Juli, 9.-10. August
Beitrittsantrag Irlands, Großbritanniens und Dänemarks. Scheitern der Verhandlungen am 29. Januar 1963 nach dem Veto von Charles de Gaulle gegen den britischen Beitritt.
1965
8. April
Unterzeichnung des Fusionsvertrags zur Einsetzung eines gemeinsamen Rates und einer gemeinsamen Kommission für die EGKS, die EWG und die EAG. Der Vertrag tritt im Juli 1967 in Kraft.
3. Mai
Die "Nouvelles Equipes Internationales" geben sich den Namen "Europäische Union Christlicher Demokraten (EUCD).
30. Juni
Krise in der Gemeinschaft, ausgelöst durch Meinungsverschiedenheiten über die Finanzierung der Gemeinsamen Agrarpolitik, die Haushaltsbefugnisse des Europäischen Parlaments und die Rolle der Kommission: De Gaulles Politik des leeren Stuhls.
1966
30. Januar
Luxemburger Kompromiß. Solange dieses "Einvernehmen darüber, unterschiedlicher Auffassung zu sein", in Kraft bleibt, haben die einzelnen Mitgliedstaaten entgegen dem Vertrag ein allgemeines Vetorecht, wenn sie der Meinung sind, daß ein sehr wichtiges nationales Interesse auf dem Spiel steht. Die Christlich-demokratische Fraktion hat diesen Grundsatz nie akzeptiert.
1967
10.-11. Mai
Erneute Beitrittsanträge Großbritanniens, Irlands und Dänemarks. Im Dezember 1967 setzt das zweite Veto De Gaulles den Verhandlungen ein Ende.
1968
28. Juni
Inkrafttreten der Verordnung über den Gemeinsamen Zolltarif, nachdem die Zölle und Quoten im innergemeinschaftlichen Handel 18 Monate früher als vorgesehen aufgehoben worden sind.
1969
25. November
Der Deutsche Hans-August Lücker wird zum Vorsitzenden der Christlich-demokratischen Fraktion gewählt. Er verstärkt die nationale Basis der Fraktion, indem er in Zusammenarbeit mit dem EUCD-Präsidenten Mariano Rumor ihre institutionellen und organisatorischen Verbindungen zu den nationalen christdemokratischen Parteien erweitert. Damit ist der erste Schritt zur Gründung der Europäischen Volkspartei getan.
1.-2. Dezember
Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs in Den Haag. Grundsatzentscheidung über die Verwirklichung der Wirtschafts- und Währungsunion im Jahr 1980, die Aufnahme von Verhandlungen mit sämtlichen Bewerberländern und die politische Zusammenarbeit.
1970
21.-22. April
Unterzeichnung des Vertrags zur Änderung bestimmter Haushaltsvorschriften; Beschluß über die Ersetzung der Finanzbeiträge der Mitgliedstaaten durch Eigenmittel der Gemeinschaft und die Erweiterung der Haushaltsbefugnisse des Europäischen Parlaments.
27. April
Einsetzung einer Ständigen Konferenz der Vorsitzenden der Christlich-demokratischen Parteien und Fraktionen der Mitgliedstaaten und des Vorstands der Christlich-demokratischen Fraktion im Europäischen Parlament.
30. Juni
Aufnahme der Beitrittsverhandlungen mit Dänemark, Irland, Norwegen und dem Vereinigten Königreich.
1973
1. Januar
Beitritt Dänemarks, Irlands und des Vereinigten Königreichs zur Gemeinschaft (die norwegische Bevölkerung hat sich per Volksentscheid gegen den Beitrittsvertrag ausgesprochen).
Das Europäische Parlament zählt jetzt 198 Mitglieder, von denen nur 52 Christdemokraten sind. Es wird eine neue Fraktion gebildet, die Europäische Konservative Fraktion, der britische und dänische Abgeordnete angehören. Die irischen Abgeordneten von Fine Gael schließen sich den Christdemokraten an.
1974
10.-11. Dezember
Gipfeltreffen in Paris. Die Gipfeltreffen heißen künftig Tagungen des Europäischen Rates. Der christdemokratische belgische Premierminister Leo Tindemans wird aufgefordert, bis Ende 1975 einen Bericht über die Europäische Union auszuarbeiten. Sein Bericht wird dem Europäischen Rat im Januar 1976 vorgelegt.
1975
14. Januar
Annahme des Berichts Patijn über den Entwurf einer Vereinbarung zur Einführung der Wahl der Abgeordneten des Europäischen Parlaments in allgemeinen und unmittelbaren Wahlen.
28. Februar
Unterzeichnung des Abkommens von Lomé mit 46 Entwicklungsländern in Afrika, im karibischen Raum und im pazifischen Ozean.
5. Juni
Das im Vereinigten Königreich durchgeführte Referendum ergibt eine Mehrheit von zwei Dritteln für den Verbleib in der Gemeinschaft.
12. Juni
Beitrittsantrag Griechenlands.
10. Juli
Das Europäische Parlament billigt den von dem belgischen Christdemokraten Alfred Bertrand (Vorsitzender der Christlich-demokratischen Fraktion von 1975-1977) ausgearbeiteten Bericht über die Europäische Union. Als Beitrag des Parlaments zum Bericht Tindemans (siehe oben) weist dieser Bericht hauptsächlich auf folgende Punkte hin:
- das künftige Europäische Parlament muß über erweiterte Haushalts- und Kontrollbefugnisse verfügen und zu einem echten Gesetzgebungsorgan der Gemeinschaft werden (oder zumindest gleichwertige Rechte haben);
- es müßte durch ein europäisches Entscheidungszentrum ergänzt werden, das den Charakter einer echten europäischen Regierung haben sollte, die von den nationalen Regierungen unabhängig und dem Parlament der Union verantwortlich ist;
- die Mitwirkung der Mitgliedstaaten am Entscheidungsprozeß der Union müßte durch eine Staatenkammer gewährleistet sein;
- die Befugnisse der verschiedenen Institutionen, sowohl im Verhältnis zueinander als auch gegenüber den Mitgliedstaaten, müßten klar abgegrenzt und detailliert festgelegt werden.
Bei der Abstimmung im Plenum zeigt sich, daß die Christdemokraten und die Konservativen die Entschließung entschieden befürworten, während im sozialistischen Lager die Labour-Abgeordneten sich ebenso der Stimme enthalten wie die dänischen Liberalen. Der Sprecher der gaullistischen Fraktion der Europäischen Demokraten für den Fortschritt äußert vorsichtige Zustimmung, während die meisten Mitglieder der Fraktion nicht an der Abstimmung teilnehmen. Die Kommunisten stimmen dagegen.
22. Juli
Unterzeichnung des zweiten Vertrags zur Änderung bestimmter Haushaltsvorschriften der Verträge und zur Einführung eines Konzertierungsverfahrens. Der Vertrag verstärkt die Haushaltsbefugnisse des Europäischen Parlaments und setzt einen Rechnungshof ein.
1976
26. Januar
Einsetzung einer Kommission mit dem Auftrag, die EUCDA (Europäische Union Christlich-demokratischer Arbeitnehmer) zu gründen, die später der EUCD angegliedert wird. Das Arbeitsprogramm der EUCDA konzentriert sich auf folgende Bereiche: Arbeit und Beschäftigungspolitik, Familienpolitik, Erhaltung des Wettbewerbs durch Beschränkung und Kontrolle der Geschäftstätigkeit multinationaler Konzerne und Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
16. Februar
Der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW-COMECON) übermittelt dem Ministerrat den Entwurf eines Abkommens EWG/COMECON. Es ist dies die erste offizielle Anerkennung der EWG durch die COMECON-Länder. Nach der sowjetischen Invasion in Afghanistan im Jahr 1980 brechen die Verhandlungen ab.
21. Februar
Annahme des von der Europäischen Union Christlicher Demokraten (EUCD) ausgearbeiteten Manifests in Paris.
29. April
Gründung der Europäischen Volkspartei in Brüssel. Ihr gehören 12 christdemokratische Parteien aus 7 Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft an, aber laut Satzung ist sie auch offen für andere Parteien der Mitte, die ihre christlich-demokratischen Werte teilen. Dies ist ein sehr wichtiger Punkt für die Länder der Gemeinschaft, die aus historischen Gründen keine Partei haben, die sich ausdrücklich als christdemokratisch bezeichnet.
8. Juli
Konstituierende Sitzung der Europäischen Volkspartei in Luxemburg. Sie wählt den christdemokratischen belgischen Premierminister Leo Tindemans zu ihrem Vorsitzenden. Zu den Gründungsmitgliedern gehört der spätere belgische Premierminister Wilfried Martens, der ab 1990 Vorsitzender der EVP (und ab 1994 der EVP-Fraktion) ist.
12.-13. Juli
Der Europäische Rat billigt auf seiner Tagung in Brüssel die Vereinbarung über die Wahl der Mitglieder des Europäischen Parlaments in allgemeiner unmittelbarer Wahl und setzt die Anzahl der direkt gewählten Mitglieder auf 410 fest. Die Bestimmungen, die für die ersten Europawahlen gelten (für die als Zieltermin 1978 festgelegt wird), sind in dem Akt zur Einführung allgemeiner unmittelbarer Wahlen der Abgeordneten des Europäischen Parlaments niedergelegt.
1977
März
Wahl des Christdemokraten Emilio Colombo, ehemaliger italienischer Außenminister und Ministerpräsident, zum Präsidenten des Europäischen Parlaments.
28. März
Beitrittsantrag Portugals.
5. Mai
Wahl des Deutschen Egon Klepsch zum Vorsitzenden der Christlich-demokratischen Fraktion. Er übt sein Amt bis 1982 aus und wird 1984 wiedergewählt. Von 1992 bis 1994 ist er Präsident des Europäischen Parlaments.
25. Mai
Die drei christdemokratischen Parteien der Niederlande legen erstmals eine gemeinsame Liste für die Parlamentswahlen unter der Bezeichnung "Christen Democratisch Appèl" vor.
28. Juli
Beitrittsantrag Spaniens.
1978
6.-7. März
Der erste Kongreß der Europäischen Volkspartei verabschiedet in Brüssel ein politisches Programm mit dem Titel: "Gemeinsam für ein Europa freier Bürger": "Wir als Europäische Volkspartei ... wollen die Einheit Europas unter Berufung auf die erfolgreiche Politik der christdemokratischen Staatsmänner Robert Schuman, Alcide De Gasperi und Konrad Adenauer, die die Grundlagen für das bisher Erreichte gelegt haben. In demselben Geist sind wir fest entschlossen, dieses historische Werk fortzusetzen und zu vollenden, dessen politisches Endziel eine europäische Föderation sein wird, wie sie Robert Schuman am 9. Mai 1950 vorgeschlagen hat".
14. März
Umbenennung der Fraktion in "Christlich-demokratische Fraktion (Fraktion der Europäischen Volkspartei)".
4.-5. Dezember
Der Europäische Rat beschließt auf seiner Tagung in Brüssel die Einführung des EWS (Europäisches Währungssystem) und die Einsetzung eines Ausschusses (die drei Weisen) zur Untersuchung der Auswirkungen der Erweiterung auf die Institutionen und die Verfahren. Das EWS tritt im März 1979 in Kraft.
1979
22.-23. Februar
Auf dem zweiten Kongreß der EVP in Brüssel wird eine Wahlplattform verabschiedet und an alle europäischen Bürger appelliert, sich konstruktiv an den Europawahlen zu beteiligen.
28. Mai
In Athen wird der Vertrag über den Beitritt Griechenlands unterzeichnet, das am 1. Januar 1981 zehnter Mitgliedstaat wird.
7.-10. Juni
Erste Europawahlen. Die Gesamtwahlbeteiligung liegt bei 61% (111 Millionen Wähler von insgesamt 180 Millionen). Die Mitgliedsparteien der EVP erhalten 32,8 Millionen Stimmen (29,6%) und erringen 107 Mandate. Auf die sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien entfallen 29,5 Millionen Stimmen (26,6%) bzw. 112 Mandate.
Damit hat die EVP fast 3,3 Millionen Stimmen (2,9%) mehr erhalten als die Sozialisten, obgleich es in Dänemark und im Vereinigten Königreich keine EVP-Kandidaten gab, wohingegen die sozialistischen Parteien Kandidaten in neun Mitgliedstaaten aufgestellt hatten.
17. Juli
Umbenennung der Fraktion in "Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christlich-demokratische Fraktion)".
17.-20. Juli
Konstituierende Sitzung des direkt gewählten Europäischen Parlaments in Straßburg. Mit Unterstützung der EVP-Fraktion wird die französische Politikerin und Abgeordnete der Liberalen und Demokratischen Fraktion, Simone Veil, zur Präsidentin gewählt.
13. Dezember
Das Europäische Parlament lehnt den Haushaltsplan der Gemeinschaft für 1980 mit 288 Stimmen gegen 64 bei einer Enthaltung ab.
1980
10. Juli
Die Südafrika-Stiftung der EVP wird ins Leben gerufen. Ihre Ziele sind die Förderung des Gedankenaustausches zwischen demokratisch orientierten sozialen, politischen und kulturellen Gruppierungen in Afrika und in Europa sowie die Ausarbeitung gemeinsamer Kooperationsprogramme im Geist des Abkommens von Lomé (Artikel 3 der Stiftungssatzung).
1.-2. Oktober
Dritter Kongreß der EVP in Köln.
7. Oktober
Wiederwahl von Leo Tindemans zum EVP-Vorsitzenden.
29. Oktober
Urteil des Gerichthofs in der Isoglucose-Rechtssache, in dem das Klagerecht des Parlaments zum Schutz seiner Kompetenzen anerkannt und die vom Rat ohne vorherige Stellungnahme des Parlaments erlassene Verordnung für null und nichtig erklärt wird.
1981
1. Januar
Griechenland tritt der Gemeinschaft als zehnter Mitgliedstaat bei. Die Anzahl der Europaabgeordneten erhöht sich auf 434. Die Mitglieder der Partei "Neue Demokratie" gehören dem Parlament als Unabhängige an (am 18. Oktober 1981 finden in Griechenland Europawahlen statt).
10. Februar
Der Präsident der Arabischen Republik Ägypten, Anwar As Sadat, hält als erster Staatschef eines Drittlands eine Rede im Europäischen Parlament.
2.-3. April
In Anwesenheit von Papst Johannes Paul II. findet in Rom die Gedenkfeier zum 100. Geburtstag von Alcide De Gasperi statt. Als entschiedener Anhänger des europäischen Einigungsgedankens hat De Gasperi eine Schlüsselrolle bei der Erholung Italiens nach dem Krieg und beim Aufbau der Europäischen Gemeinschaft gespielt.
19. November
Emilio Colombo und Hans-Dietrich Genscher, der italienische und der deutsche Außenminister, legen dem Europäischen Parlament ihren Entwurf der "Europäischen Akte" vor. "Wir schlagen vor, die europäische Integration neu zu beleben, die Institutionen zu stärken und den Entscheidungsprozeß zu verbessern, den pragmatischen Prozeß der politischen Zusammenarbeit zwischen unseren zehn Ländern zu fördern und weiter auszubauen, eine allgemeine Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit, Kultur und Recht herbeizuführen, um dem Grundziel der Europäischen Union näherzukommen über die wechselseitige Verstärkung der politischen und sozio-ökonomischen Aspekte in einem Entwicklungsprozeß, der Schritt für Schritt neue Ziele ansteuert und erreicht" (Auszug aus der Rede von Emilio Colombo).
23. Dezember
Die griechische Delegation "Neue Demokratie" schließt sich der EVP-Fraktion an, womit die Anzahl der Fraktionsmitglieder sich auf 117 in einem Parlament mit insgesamt 434 Abgeordneten erhöht.
1982
20. Januar
Paolo Barbi wird als erster Italiener Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament.
30. Juni
Einigung des Rates, der Kommission und des Parlaments über das Haushaltsverfahren. Die drei Präsidenten unterzeichnen eine gemeinsame Erklärung zur Abgrenzung der Befugnisse der an der Aufstellung des Haushaltsplans beteiligten Organe.
15. September
Untätigkeitsklage des Parlaments gegen den Rat (Artikel 175 EWGV), weil dieser es versäumt hat, eine gemeinsame Verkehrspolitik auszuarbeiten. Das Urteil des Gerichtshofs vom 22. Mai 1985 wird allgemein als Sieg für das Parlament gewertet.
6.-8. Dezember
Vierter Kongreß der EVP in Paris.
1984
14. Februar
Das Europäische Parlament nimmt mit massiver Unterstützung durch die EVP-Fraktion den Entwurf des Vertrags zur Errichtung der Europäischen Union an (Vertrag Spinelli).
24. April
Der fünfte Kongreß der EVP in Rom verabschiedet ein Aktionsprogramm für die Wahlperiode 1984-1989 mit dem Titel "Einigung Europas für Frieden und Freiheit in Gerechtigkeit".
10.-13. Juni
Bei den zweiten Direktwahlen zum Europäischen Parlament erringen die Mitgliedsparteien der EVP-Fraktion 110 Mandate.
24. Juli
Der Christdemokrat und ehemalige französische Premierminister Pierre Pflimlin wird zum Präsident des Europäischen Parlaments gewählt.
1985
14. Juni
Die Kommission legt ihre Vorschläge (Weißbuch Cockfield) über die für die Vollendung des Binnenmarkts bis Ende 1992 erforderlichen Maßnahmen vor. Zwei Wochen später beschließt der Europäische Rat auf seiner Tagung in Mailand die Abhaltung einer Regierungskonferenz zur Erörterung von Änderungen der Verträge, um die Beschlußfassung zu beschleunigen und die Befugnisse des Europäischen Parlaments zu verstärken.
1986
1. Januar
Beitritt Spaniens und Portugals zur Europäischen Gemeinschaft. Die Mitglieder der portugiesischen CDS sowie der spanischen Parteien Unión de Centro Democrático (UCD), Partido Nacionalista Vasco (PNV) und Unió Democràtica de Catalunya schließen sich der EVP-Fraktion an. Das Parlament hat jetzt 518 Mitglieder.
17.-18. Februar
Unterzeichnung der Einheitlichen Europäischen Akte (EEA) in Luxemburg. Die EEA erweitert die Beschlußfassung mit qualifizierter Mehrheit, insbesondere bei Binnenmarktmaßnahmen, führt für die Konsultation des Europäischen Parlaments ein neues Verfahren mit zwei Lesungen sowie ein Verfahren der Zustimmung für Abkommen mit Drittländern ein und sieht Verbesserungen des Koordinierungsmechanismus für die Außenpolitik vor.
10.-12. April
Sechster Kongreß der EVP in Den Haag.
1987
20. Januar
Der Vorsitzende der britischen Konservativen, Lord Plumb, wird zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt.
1. Juli
Die EEA tritt in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt geht die EVP-Fraktion zu einer gewissen Zusammenarbeit mit der Sozialistischen Fraktion über, damit das Parlament die Mehrheiten erreichen kann, die es ihm ermöglichen, eine vollwertige Rolle im Verfahren der Zusammenarbeit zu spielen.
26. Oktober
In Den Haag wird die "Plattform für die europäische Sicherheit" der Westeuropäischen Union angenommen, was die Neubelebung der WEU als europäisches Gegenstück zur NATO kennzeichnet.
1988
15. November
Das Europäische Parlament hält eine Gedenksitzung zur Feier des 100jährigen Geburtstags von Jean Monnet ab.
7.-8. November
Der siebte Kongreß der EVP in Luxemburg verabschiedet ein Aktionsprogramm für die Wahlperiode 1989-1994 mit dem Titel "Die EVP an der Seite der Bürger".
1989
15.-18. Juni
Dritte Direktwahlen zum Europäischen Parlament. Die Mitgliedsparteien der EVP-Fraktion (einschließlich der spanischen Partei Alianza Popular, die von den Konservativen zur EVP-Fraktion überwechselt) erringen 122 Mandate.
17. Juli
Beitrittsantrag Österreichs.
18. Oktober
Die EVP-Fraktion gründet die "Stiftung zur Zusammenarbeit Christlicher Demokraten Europas", heute "Robert Schuman-Stiftung zur Zusammenarbeit der Christdemokraten Europas". Sie verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke auf der Grundlage des Christlichen Menschenbildes....
9. November
Mit dem Fall der Berliner Mauer endet die Teilung Deutschlands (offiziell am 3. Oktober 1990).
1990
10. Mai
Der frühere belgische Premierminister Wilfried Martens wird zum Vorsitzenden der EVP gewählt.
19. Juni
Die Benelux-Länder, Frankreich und die Bundesrepublik Deutschland unterzeichnen das Übereinkommen zur Durchführung des Schengener Übereinkommens von 1985 zur Vereinfachung der Kontrollen an den Binnengrenzen der Unterzeichnerstaaten.
3. Juli
Beitrittsantrag Zyperns.
16. Juli
Beitrittsantrag Maltas.
15.-16. November
8. Kongreß der EVP in Dublin.
1991
1. Juli
Beitrittsantrag Schwedens.
10. Dezember
Einigung des Europäischen Rates betreffend den Vertrag über die Europäische Union (Vertrag von Maastricht, unterzeichnet am 7. Februar 1992).
1992
14. Januar
Der bisherige EVP-Fraktionsvorsitzende Egon Klepsch wird zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt. Leo Tindemans wird zu seinem Nachfolger im Amt des Fraktionsvorsitzenden gewählt.
18. März
Beitrittsantrag Finnlands.
1. Mai
Die britischen und dänischen konservativen Abgeordneten schließen sich der EVP-Fraktion an.
2. Mai
In Porto wird das Abkommen zur Errichtung des Europäischen Wirtschaftsraums unterzeichnet (er umfaßt die zwölf Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaften sowie die sieben EFTA-Mitgliedstaaten (Finnland, Island, Liechtenstein, Österreich, Schweden, die Schweiz und Norwegen). Am 6. Dezember 1992 lehnt die Schweiz diesen Vertrag per Volksentscheid ab.
Juni-September
Der Vertrag von Maastricht wird in Dänemark durch Volksentscheid abgelehnt, in Irland gebilligt und in Frankreich mit knapper Mehrheit gebilligt.
16. September
Devisenspekulationen noch nie dagewesenen Ausmaßes ("Schwarzer Mittwoch") bringen den Wechselkursmechanismus an den Rand des Zusammenbruchs. Das Pfund Sterling und die Lira treten aus dem Mechanismus aus.
11.-13. November
9. Kongreß der EVP in Athen.
25. November
Beitrittsantrag Norwegens.
11.-12. Dezember
Beschlüsse des Europäischen Rates von Edinburgh über den Sitz der Organe, die Finanzielle Vorausschau bis 1999 und neue Bedingungen für Dänemark.
1993
1. Januar
Inkrafttreten des Binnenmarkts.
18. Mai
In einem zweiten Referendum in Dänemark wird der Vertrag von Maastricht gebilligt.
23. Juni
40. Jahrestag der Gründung der Christlich-demokratischen Fraktion in der Gemeinsamen Versammlung der EGKS.
1. November
Mit dem Inkrafttreten des Vertrags von Maastricht ist die Europäische Union errichtet.
8.-10. Dezember
Der 10. Kongreß der EVP in Brüssel verabschiedet ein Aktionsprogramm für die Wahlperiode 1994-1999 mit dem Titel "Europa 2000: Einheit in Vielfalt".
1994
1. Januar
Beginn der zweiten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion.
1. April
Beitrittsantrag Ungarns.
8. April
Beitrittsantrag Polens.
9.-12. Juni
Vierte Direktwahlen zum Europäischen Parlament. Die EVP-Fraktion erringt 157 Mandate.
Juni - November
Österreich, Finnland und Schweden sprechen sich per Volksentscheid für den Beitritt zur Europäischen Union aus, während das norwegische Volk sich gegen den Beitritt entscheidet.
Juli
Der frühere belgische Premierminister Wilfried Martens wird zum Vorsitzenden der EVP-Fraktion gewählt. Der von den Mitgliedstaaten für das Amt des Kommissionspräsidenten vorgeschlagene Kandidat, der Christdemokrat Jacques Santer, wird vom neuen Europäischen Parlament gebilligt.
1995
1. Januar
Beitritt Österreichs, Finnlands und Schwedens zur Europäischen Union. Das Europäische Parlament hat jetzt 626 Mitglieder. Die Abgeordneten der Österreichischen Volkspartei sowie der Parteien Kansallinen Kokoomus aus Finnland und Kristdemokratiska Samlällspartiet (jetzt Kristdemokraterna) und Moderata Samling (jetzt Moderaterna) aus Schweden treten der EVP-Fraktion bei.
Die Österreichische Volkspartei, Kansallinen Kokoomus aus Finnland, die Parteien Kristdemokratiska Samlällspartiet und Moderata Samling (jetzt Moderaterna) aus Schweden sowie Det Konservative Folkeparti (Dänemark)werden Volllmitglied der EVP.
19. Januar
Das Parlament stimmt der neuen Kommission unter ihrem Präsidenten Jacques Santer zu.
26. März
Das Schengener Übereinkommen tritt in den Benelux-Ländern, in Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland, Portugal und Spanien in Kraft.
22. Juni
Beitrittsantrag Rumäniens.
27. Juni
Beitrittsantrag der Slowakei.
27. Oktober
Beitrittsantrag Lettlands.
6.-7. November
11. Kongreß der EVP in Madrid.
28. November
Beitrittsantrag Estlands.
8. Dezember
Beitrittsantrag Litauens.
14. Dezember
Beitrittsantrag Bulgariens.
15.-16. Dezember
Der Europäische Rat von Madrid beschließt, daß die einheitliche Währung "EURO" heißen soll.
1996
17. Januar
Beitrittsantrag Tschechiens.
29. März
In Turin wird die Regierungskonferenz zur Änderung des Vertrags von Maastricht eröffnet.
10. Juni
Beitrittsantrag Sloweniens.
11. November
Die neun portugiesischen Abgeordneten des Partido Social Democrata (PSD) treten der EVP-Fraktion bei.
6. Dezember
Der Partido Social Democrata (PSD) wird Vollmitglied der EVP.
1997
14. Januar
Der Christdemokrat José Maria Gil-Robles Gil-Delgado wird zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt. Die EVP hat 181 Mitglieder.
16.-17. Juni
Der Europäische Rat von Amsterdam stimmt einem neuen Vertrag zu. Der Vertrag von Amsterdam wird am 2. Oktober 1997 unterzeichnet.
9.-11. November
12. Kongreß der EVP in Toulouse.
21.-22. November
Der christdemokratische Ministerpräsident Luxemburgs, Jean-Claude Juncker, führt den Vorsitz bei einem Sondergipfel des Europäischen Rates zum Thema Beschäftigung.
12.-13. Dezember
Der Europäische Rat beschließt auf seiner Tagung in Luxemburg, die Erweiterungsverhandlungen 1998 aufzunehmen.