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Politics and Religion
up one level
Catholic Churches


Internationale Konferenz:

„Modernisierung und Glaube
Die Rolle der katholischen Kirche im europäischen Einigungsprozess"
Krakau, 13. - 14. September 2002



Tageszeitung: „Gazeta Wyborcza"
Samstag - Sonntag, 14. -15. September 2002 (Seite 3)
Autor: Konrad Niklewicz
Übersetzung: Ewa Wolanska




Die Konferenzteilnehmer, unter ihnen die Ministerin für Europäische Angelegenheiten, Danuta Hübner, der Europakommissar für Landwirtschaft und Regionalentwicklung, Franz Fischler, Erzbischof Henryk Muszynski und der Vorsitzende der EVP, Fraktion im Europäischen Parlament, Prof. Hans-Gert Pöttering, hatten keine Zweifel, dass es ohne die katholische Kirche kein vereinigtes Europa geben kann. Die Frage, die während der Konferenz beantwortet werden sollte, lautete folgendermaßen:
Welche Rolle spielt die Kirche in dem sich vereinigenden Europa? Welche Vorteile bringt der europäische Einigungsprozess für Polen und für die polnische Kirche mit sich?

Pöttering, der Fraktionsvorsitzende der EVP, sprach sich für eine Stellungnahme der Kirche zu allen wichtigen Fragen der europäischen Diskussion aus. Als Beispiel nannte er die gerichtliche Verordnung zur Bioethik und die Debatte, die im Europäischen Parlament darüber geführt wird. In diesem Fall sollen die christlichen Werte als Wegweiser verstanden werden, sagte Pöttering. Seine Fraktion, die sich nach der Kirchenlehre richtet, spricht sich entschieden gegen die Nutzung von Embryos in genetischen Tests und in der Stammzellenforschung aus. Ich hoffe, dass sich unsere Fraktion nach Polens EU-Beitritt verstärken wird - sagte der EVP-Vorsitzende.

Nicht nur Pöttering erhofft sich viel von Polens EU-Beitritt. Europa erwartet von Polen, Selbstbewusstsein und dass es zu seiner durch geistlichen Reichtum geprägten Identität steht. Eben dieses fehlt Europa - sagte der italienische Abgeordnete im Europäischen Parlament, Jas Gawronski.

EU-Kommissar Fischler - der direkt nach den schwierigen Gesprächen mit polnischen Politikern über Landwirtschaftsfragen nach Krakau kam - wies auf die mit der europäischen Einigung verbundenen derzeitigen Ziele hin, die die katholische Kirche erreichen könne. Ich möchte eine Bitte an Euch wenden: Setzt auch zukünftig eure Informationstätigkeit fort.
sagte er zu der im Saal versammelten Priesterschaft.

Souverän und europäisch

Die Konferenzteilnehmer diskutierten u.a. noch folgende Fragen:
Was bedroht in der Europäischen Union die Religiösität und schwächt den Glauben der Polen?
In diesem Fall war die Antwort eindeutig. Die Europäische Union bedrohe nicht den polnischen Glauben, so Jan Kulakowski, ehemaliger Chefunterhändler für Polens Beitritt zur EU. Da die nationale Identität ein Kulturphänomen ist, hat die Europäische Union keine Kompetenzen, diese Identität zu bedrohen, bemerkte Kulakowski.
Denselben Standpunkt vertrat auch Piotr - Nowina Konopka: Keiner in der EU lauert auf unsere Identität. Ganz im Gegenteil, in der EU bestehen Mechanismen, die die nationale Identifikation noch verstärken. Dieses war am Beispiel von Irland zu beobachten. Die nach dem EU-Beitritt mit der neuen Lebensweise konfrontierten Irländer begannen ihre irische Identität neu zu entdecken.

Bedroht die EU den Glauben?
Das ist keine künstlich erfundene Frage, gab der Priester Noel Treanor zu. Ich möchte daran erinnern, dass die Beschlüsse des Europäischen Parlaments bezüglich der Abtreibung viele Katholiken beunruhigen. Man soll jedoch bedenken, dass diese Beschlüsse nicht rechtskräftig sind. - sagte Priester Treanor. Im Grunde genommen kann und darf keine der Institutionen der Union den europäischen Kirchen irgendetwas aufzwingen, da ihre Unabhängigkeit von der europäischen Gesetzgebung garantiert wird.

Invocatio Dei

Auch die Frage der Invocatio Dei (d. h. die Erwähnung Gottes in der im Entstehen begriffenen europäischen Verfassung) wurde zum Konferenzthema.
Laut Meinung der Beobachter wird diese Anwesenheit bzw. Abwesenheit zum Kriterium der tatsächlichen und messbaren Rolle der Kirche in der europäischen Gestaltung gemacht. Kommissar Fischler gab zu, dass in vielen europäischen Ländern ein Streit über die von der Kirche geforderte Notwendigkeit, die Invocatio Dei in der Präambel der Unionsverfassung (deren Anfang die Charta der Grundrechte darstellt) einzubringen, entstanden ist. Frankreich sprach sich wegen seiner weltlichen Traditionen gegen die Invocatio Dei- Idee aus - sagte Fischler. Alles hängt davon ab, welche politischen Kräfte in den europäischen Ländern zukünftig gewählt werden - fügte er hinzu.

Jan Kulakowski schlug eine Kompromisslösung nach dem Muster der polnischen Verfassung vor, nach der sich die Präambel der Charta der Grundrechte (seines Erachtens ist die gegenwärtige Version "zu weltlich") sowohl auf die Gläubigen als auch auf die Ungläubigen beziehen soll.

Priester Treanor sprach sich im Interview mit der „Gazeta Wyborcza" für den Vorschlag des ehemaligen Chefunterhändlers aus. Er sagte, dass die COMECE bereit ist, einen Präambelentwurf öffentlich vorzulegen. Er machte drauf aufmerksam, dass nicht nur die Invocatio Dei für die europäischen Kirchen von großem Belang ist, sondern dass es auch wünschenswert ist, in die europäische Verfassung die Konfessionsfreiheit einzubeziehen.

Erzbischof Henryk Muszynski<br> Metropolita von Gnesen

Die Zeit vor dem Referendum und gleich danach, wenn Polen schon Mitglied der EU sein wird, sind zwei verschiedene Perspektiven.
Unabhängig davon ist es immer die Rolle der Kirche, die christlichen Werte auf die Gesellschaft zu übertragen.
Die Kirche sollte sich darum kümmern, dass Europa immer noch Europa bleibt und dass die christlichen Werte nicht zugrunde gehen. Von der Kirche sollte man jedoch nicht erwarten, dass sie sich vor dem Referendum für oder gegen die Einigung ausspricht. Die Kirche ist in diesem politischen Prozess nicht beteiligt, die Verantwortung dafür liegt allein an der Regierung.
Der Papst sprach sich zwar dafür aus, dass Polen in EU Strukturen bestehen soll, aber dieses soll nicht als bedingungslose Akzeptanz des polnischen EU -Beitritts verstanden werden.

Jas Gawronski MdEP

Die Einstellung der Kirche zum EU - Beitritt Polens wurde schon vom Papst zum Ausdruck gebracht.
Die Kirche in Polen solle versuchen, Garant für den positiven Ausgang des Referendums zu sein. Viel wichtiger ist es jedoch, welchen Beitrag die Kirche auf Dauer zur europäischen Einigung leisten kann.
Die Kirchen Osteuropas, denen Kommunismus die nötige Härte verliehen hat, ist im Stande erfolgreich die westeuropäische Gesellschaft zu beeinflussen und sie an die christlichen Werte zu erinnern.
Im Hinblick drauf können die gegenwärtigen EU - Mitglieder viel mehr von der europäischen Ereinigung profitieren.

Hans-Gert Pöttering
Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei im Europäischen Parlament

Die Hauptrolle der katholischen Kirche ist das Vertreten von christlichen Werten. Weil diese zur Grundlage der Europäischen Union gemacht wurden, ist es selbstverständlich, dass die Kirche sich für den Einigungsprozess ausspricht.
Ich hoffe, dass die katholische Kirche in Polen im Stande ist, all diejenigen Bürger, die noch unentschlossen sind, davon zu überzeugen, sich im Referendum für den EU-Beitritt zu entscheiden.

Danuta Hübner
Ministerin für die europäischen Angelegenheiten

Die Kirche ist die größte gesellschaftliche Macht in Polen, die sich zum Thema -EU - Beitritt eindeutig geäußert hat. Die Kirche ist eine besondere Nichtregierungsinstitution, die die lokalen Gemeinden mobilisieren und als EU - Informationsquelle dienten kann Die wichtigste Aufgabe der Kirche ist es, ihre Werte in verschiedenen Lebensbereichen zur Geltung zu bringen. Die europäische Gesellschaft braucht diese Werte. Wird die polnische Regierung die Initiative der Kirche unterstützen, die besagt, dass in die europäische Verfassung die Invocatio Dei einbezogen wird? Es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt, darüber zu entscheiden. Aus diesem Grund will die Regierung dazu noch keine Stellung nehmen.

Tlumaczenie:
Fundacja Konrada Adenauera w Warszawie





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